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Meine Ermutigung zum balancierten Denken: Ohne Regen keine Sonnenblume

Das Leben besteht nicht nur aus Zuckerwatte. Wer glücklich sein möchte, sollte auch das Konstruktive in den herausfordernden Situationen und Erfahrungen des Lebens entdecken. Und das, was an Destruktivem übrig bleibt, mutig in die Wüste schicken. Mittlerweile bin ich dank mitunter auch schmerzlicher Lebenserfahrung der Meinung, dass negative Einflüsse oder Ereignisse nicht per se schlecht sein müssen. Und sie sind es tatsächlich nicht, wenn es gelingt, sich aus ungesunden Zwängen zu befreien und gleichzeitig konstruktive Anteile zu bewahren.
Manchmal lohnt sich einfach ein Perspektivwechsel.
Hierbei hilft schon die simple Frage: Kann ich die Situation auch anders sehen? Ein uns allen gegenwärtiges Beispiel ist das allseits beliebte Thema Wetter. Ach, wie oft muss das Wetter für unseren Smalltalk herhalten? Doch nehmen wir diese Tatsache dankend als ein Übungsfeld an. Denn bei unseren Wettergesprächen können wir wunderbar erkennen lernen, was unser Denken in unserem Fühlen, Reden und Handeln bewirkt. Wie oft empfinden wir Sonnenschein als gut und Regen als schlecht und verhalten uns entsprechend? Doch könnten wir das eigentlich auch anders sehen?

Betrachten wir die Sonnenblume.

Dieses prachtvolle Gewächs will uns ermutigen, nicht in unüberwindbaren Polaritäten – schwarz oder weiß, gut oder schlecht, friedlich oder böse – zu denken, sondern in sich bereichernder Dualität und Harmonie: Zwischen schwarz und weiß gibt es auch Grautöne, das Schlechte hat in Wirklichkeit mitunter auch seine guten Facetten, im Bösen schlummert vielleicht sogar die Hoffnung des Friedvollen. Konkret am Beispiel unserer Sonnenblume möchte ich das so auf den Punkt bringen: Ohne Regen keine Sonnenblume. Nicht ohne Grund bezeichnen die weisen Bewohner der irischen Insel den Regen als „flüssigen Sonnenschein“. Sie haben einen wunderbaren Weg gefunden, sich mit den Schlechtwetter-Kapriolen in ihrem Land zu arrangieren. Ups, und schon wieder ist es mir beim Schreiben passiert: Schlechtes, böses Wetter! Es gibt kein schlechtes, böses Wetter – zumindest ist es das nie ausschließlich. Es ist meine momentane subjektive Empfindung. Entscheidender ist doch die Frage, inwiefern es mir gelingen kann, dieses Wetter aus einer anderen Perspektive zu betrachten. Vielleicht aus der Perspektive des Samens, der sich sich danach sehnt, zur Sonnenblume zu werden? Und noch ein Perspektivwechsel zum Thema unpässlich empfundenes Wetter: Vielleicht gibt es auch nur unpassende Kleidung? Fakt ist – um bei der Sonnenblume zu bleiben – ohne Regen gibt es keinen Genuss an der Sonnenblume.

Perspektivwechsel heißt, immer mal wieder die eigene Landkarte beiseitezulegen.

Wenn wir die Landkarte mit unserer über die Zeit individuell konstruierten Wirklichkeit ab und an zur Seite legen, kann es uns überraschend einfach gelingen, Neuland zu entdecken. Unser mitunter destruktiv gepoltes Denken in konstruktive Bahnen zu lenken. Es lohnt sich, hier und da unsere Denkmuster generell zu hinterfragen. Hilfreich ist für mich dabei die Auseinandersetzung mit anderen Denkkulturen. Die keltischen oder jüdischen Wurzeln inspirieren mich, mein westlich-polarisiert geprägtes Denken als harmonisches Miteinander zu entdecken. Leben und Tod gehören in diesen Traditionen zusammen, genauso wie der Zyklus von Frühling, Sommer, Herbst und Winter ein harmonischer, sich befruchtender Kreislauf eines Lebens mit all seinen Facetten spiegelt. Auch die jüngsten Erkenntnisse der Neurowissenschaft können uns behilflich sein, die Mechanismen in uns besser kennenzulernen und gewinnbringend zu nutzen.

Wahres Glück entfaltet sich in unserem Denken.

Denn unser Denken beeinflusst maßgeblich unser Fühlen und Handeln. Es ist daher von Bedeutung, wie wir denken und welche Gedanken wir zulassen. Unser Denken hat uns zu dem gemacht, der wir sind. Gleichzeitig macht uns unser Denken zu dem, der wir sein werden.
Jeder Tag kann für uns ein selbst-bewusster Neuanfang sein, unser Gehirn neu zu programmieren.
In diesem Bereich ist unser Gehirn ein wahres Wunderwerk. Unser Wille, frei zu entscheiden was wir denken, ist die Basis dafür, wer wir sind und werden. Die Kür ist die ehrliche und achtsame Selbstwahrnehmung, die etwa über regelmäßige Meditation und Selbstdisziplin zu erlangen ist und auch erst einmal schmerzhafte Momente einfordert. Mit ihr gelingt es uns, auch im Unbewussten liegende Regionen zu aktivieren, zu beeinflussen und zu verändern. Letztlich gilt auch hier: Ohne Regen keine Sonnenblume.
Wenn wir die schönen Facetten des Lebens und wahrhaft empfundenes Glück entdecken möchten, gehören Sonne und Regen zusammen. Das lehrt uns nicht nur die Sonnenblume. Verbindendes und hoffnungsvolles Zeichen in der Natur ist dafür auch der Regenbogen. Für mich persönlich immer auch die Zusage des Schöpfers, der mich ganz sicher nicht im Regen stehen lässt.

Fotos: JillWellington, PublicDomainPictures (pixabay.com)