Nachhaltigkeit: Aus globaler Notwendigkeit wird persönliche Zukunftsperspektive

Das Wort Nachhaltigkeit ist als Megatrend allgegenwärtig. Doch obwohl wir mit Nachhaltigkeit – oftmals auch als „Sustainability“ bezeichnet – ständig konfrontiert sind, gibt es für den Begriff keine allgemeingültige Definition. Nachhaltigkeit wird demnach mitunter sehr willkürlich ausgelegt und bietet in der Konsequenz Verantwortlichen wie Anspruchsgruppen nur schwer Orientierung.
Der deutsche Rat für nachhaltige Entwicklung definiert Nachhaltigkeit wie folgt.
„Nachhaltige Entwicklung heißt, Umweltgesichtspunkte gleichberechtigt mit sozialen und wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu berücksichtigen. Wir müssen unseren Kindern und Enkelkindern ein intaktes ökologisches, soziales und ökonomisches Gefüge hinterlassen.“
Bei dem sogenannten Dreieck der Nachhaltigkeit geht es um ökologische, ökonomische und soziale Verantwortung. Basis und diese Tage sicher der Aspekt mit dem größten Mangel ist die ökologische Nachhaltigkeit, welche die Bewahrung schöpferischer Vielfalt mit den natürlichen Lebensgrundlagen für uns und kommende Generationen in den Fokus stellt. Ressourcen sollen nur in dem Ausmaß verbraucht werden, wie die Regeneration der Natur es erlaubt. Ökonomische Nachhaltigkeit steht für eine leistungsfähige Wirtschaft ein, die insbesondere nachfolgenden Generationen zukunftsfähig erhält. Und soziale Nachhaltigkeit zielt auf gleiche Chancen, Wohlstand, Bildung und Kultur für alle. Es lässt sich unschwer erkennen, dass alle drei Ebenen einander brauchen und sich wechselseitig bedingen. Zusammenfassend oder vereinfacht lässt sich Nachhaltigkeit auch so auf den Punkt bringen:
Nachhaltigkeit als verantwortungsbewusstes Miteinander von Mensch, Natur und Wirtschaft zum Nutzen aller Beteiligten – wie es auch die 17 Sustainable Development Goals der Vereinten Nationen zum Ausdruck bringen.
Soweit zur Theorie. Aber wie kann Nachhaltigkeit von jedem einzelnen Individuum, jeder Unternehmung oder Organisation ganz praktisch gelebt werden?

Konkrete Ansätze für verantwortlich-nachhaltiges Denken und Handeln sind vielfältig.

  • Weniger konsumieren und unser Konsumverhalten insgesamt kritisch hinterfragen
  • Weniger Müll produzieren
  • Energie sparen
  • Mehr das Fahrrad nutzen, zu Fuß gehen oder öffentliche Verkehrsmittel präferieren
  • Weniger Fleisch- und Milchprodukte essen
  • Dinge reparieren, anstatt immer gleich neu zu kaufen
Oft stellen wir fest – zumindest geht es mir so –, dass einzelne Maßnahmen nicht allein zu wirklich nachhaltiger und ganzheitlicher Verhaltensänderung führen. Manches verpufft relativ schnell, wenn wir uns die Konsequenzen verantwortlich-nachhaltigen Handelns bewusst machen. Denn nachhaltiges Handels fordert uns in nahezu allen Dimensionen unseres Alltags heraus. Misst sich gnadenlos an der Realität. Nachhaltiges Engagement ist zumindest anfänglich alles andere als bequem. Daher ist es elementar, dass unser reformiertes Denken und Handeln in diesem Bereich fest in unserer Identität verankert wird. Doch was heißt das und wie kann das gelingen?

Der entscheidende Schlüssel für nachhaltiges Denken und Handeln liegt meiner Meinung nach in klaren persönlichen Werten.

Werte entstehen aus Motiven. Motive können aus einem Mangel oder aus einer Idealvorstellung resultieren. Häufig nehme ich den Einsatz um mehr Nachhaltigkeit gemäß dem Sprichwort „Aus der Not eine Tugend machen“ wahr. Das ist gut gemeint, aber gleichzeitig in der Kommunikation schlecht umgesetzt. Tugenden sind Verhaltensmuster, die gesellschaftlich als vorbildlich und nützlich angesehen werden. In Abgrenzung dazu sind Werte Idealzustände, an deren Erreichen bzw. Annäherung man sich und andere misst. Um aus dem Verständnis von Nachhaltigkeit auch fundiertes und verantwortliches Handeln abzuleiten, brauchen wir neben gesellschaftlich formulierten und vornehmlich aus Mangelerscheinungen abgeleiteten Tugenden auch sogenannte Entfaltungswerte, die sich zukunftsgerichtet an Idealen orientieren und darüber hinaus auch messbar und damit überprüfbar sind. Nachhaltig im wahrsten Sinne sind Werte, die einen schöpferischen Blick auf die Zukunft erlauben anstatt nur Problemlöcher zu stopfen. Werte, die angetrieben von erreichbaren Idealen positive Zukunfts- und Bildwelten eröffnen. Die Tag für Tag zu nachhaltigem Denken und Handeln motivieren.
Unser Anreiz für nachhaltiges Handeln sind nicht die Defizite sondern die Vorstellung von einem lebenswerten Planeten.

Was bedeutet Nachhaltigkeit für uns als Individuen oder Unternehmer und wie kann sie entsprechend unserer individuellen Identität glaubwürdig nachhaltig gelebt werden?

Vorab: Es ist definitiv mehr als die saure Zitrone, in die wir vermeintlich zuerst beißen müssen. Der Weg zu wirklich glaubwürdig gelebter Nachhaltigkeit hat zwar seinen Preis, aber dafür auch seinen Lohn.

  • Möchten wir unsere individuelle Perspektive, unseren konkreten Beitrag und unser konkretes Betätigungsfeld in Bezug auf nachhaltiges Denken und Handeln entdecken, so müssen wir uns der in uns angelegten Talente bewusst sein oder werden. Im großen Feld nachhaltiger Verantwortung sind sie unsere persönliche Spielwiese, auf der wir zu Topform auflaufen.
 
  • Ist unsere persönliche Spielwiese geklärt, geben unsere individuellen Werte Auskunft darüber, mit welchen Eigenschaften und Ansprüchen wir unsere Talente für nachhaltiges Denken und Handeln auf dieser Wiese einsetzen können. Und wie es uns gelingen kann, unser Handeln zu messen und zu überprüfen. Denn nur so gelingt es uns, zu wachsen und Erfolge zu feiern.

  • Wo empfinden wir Schmerz, wenn wir mit offenen Sinnen durch die Welt gehen? Unsere persönlich empfundenen Schmerzpunkte geben deutliche Hinweise auf unsere Leidenschaften. Denn nur das, was uns im Kern unseres Wesens betrifft, berührt uns auch in der Tiefe. Herausforderung ist hier, nicht beim Schmerz zu verharren und aus einer – wenngleich berechtigten – Mangelerscheinung heraus zu agieren. Zu viele Menschen sind dabei schon innerlich ausgebrannt. Vielmehr sollten wir unsere realistische Idealvorstellung entdecken und formulieren. Als Gegenüber unseres Schmerzpunktes motiviert uns unser Denken und Handeln und behält einen erstrebenswerten Zielpunkt im Fokus. Ein positives Zukunftsbild, das wir im besten Fall mit ganz vielen anderen Menschen an unserer Seite teilen dürfen. Für das es sich lohnt, das Beste zu geben und aus dem wir Sinn, Erfüllung und Bestätigung erfahren.

  • Ist der Beitrag der individuellen Identität zu nachhaltigem Denken und Handeln geklärt, können wir uns als Individuen, Unternehmen oder Organisationen auch in unserem Umfeld klar positionieren. Erfolgreiche Positionierung bedeutet, wir werden auf Basis unserer inneren Talente, Werte und Idealvorstellung auch nach außen als glaubwürdig wahrgenommen. Indem wir klar zeigen, was Nachhaltigkeit für uns bedeutet, differenzieren wir uns von anderen, die nicht oder nur schwammig und austauschbar für Nachhaltigkeit einstehen. Gleichzeitig sind unsere Ziel- und Anspruchsgruppen klarer wahrnehmbar, indem wir fokussiert Menschen, Unternehmen und Organisationen um uns scharen, mit denen wir auf einer Wellenlänge sind. Akteure, die von unseren Talenten profitieren, die unsere Werte für relevant erachten und für unsere Idealvorstellung leben.

  • Ist unser Inneres geklärt und sind wir auch nach außen klar positioniert, verfügen wir über das Potenzial, Nachhaltigkeit zugleich effektiv und effizient auf unsere ganz unverwechselbare Weise und über die richtigen Aktivitäten zu kommunizieren. Wir werden „nur“ noch die Maßnahmen planen und umsetzen, die unserer unverwechselbaren Identität entsprechen. Nebenschauplätze, die nicht die Unseren sind – auch oder gerade auf dem großen Feld der Nachhaltigkeit –, werden uns nicht länger blockieren. Unser realistischer Anteil wird stärker hervortreten und uns selbst Bestätigung und Erfüllung geben. Und ganz wichtig: Weil wir von Nachhaltigkeit überzeugt und begeistert sind, werden wir mit positiven Zukunftsbildern kommunizieren, die auch andere begeistern und mitnehmen.

Eines noch: Nachhaltigkeit fängt bei uns selbst an – und genau da liegen oftmals die ersten Hürden.

Es reicht nicht aus, Wertevorstellungen allein auf Systeme oder andere Menschen zu projizieren. Da wir alle – insbesondere wenn es um unsere komplexen inneren Prozesse geht – unsere blinden Flecken haben, hilft uns eine kompetente, externe Wegbegleitung dabei, uns zu reflektieren und für unser ganz individuelles Potenzial aufzustellen. Gern biete ich Ihnen, Ihrem Unternehmen oder Ihrer Organisation meine Unterstützung als neuro-systemischer Identitätsentfalter und Weggefährte in Profil- und Veränderungsprozessen an. Kommen Sie einfach auf mich zu.
Fotos: Gerd Altmann, Ryan McGuire (pixabay.com)