Identität trifft Achtsamkeit: Der Schatz erfüllter Gegenwart

„Ich lebe hier und jetzt. Ich bin das Ergebnis von allem, was geschehen ist oder geschehen wird, aber ich lebe hier und jetzt.“ (Paulo Coelho)
Freude und Glück im Leben und im Beruf ist vor allem eine Frage von Einstellung und Achtsamkeit. Leider stehen wir uns dabei oft selbst im Weg. Multitasking, Zerstreuung, Zeitdruck, einseitiges Profit- und Effizienzstreben, Krisen- und Risikomanagement, Kritik und Bewertung, destruktives Denken und Fühlen, Stress und vieles mehr raubt uns die Energie.

Achtsamkeit eröffnet einen Wahrnehmungs- und Bewusstseinszustand der Gegenwart, in dem unser HIER, JETZT und SO Akzeptanz findet. Sie ist der Schlüssel zu unserer Identität.

Statt den Berg und die Dynamik aller Anforderungen des Alltags zu betrachten, nehmen wir in einer Haltung der Achtsamkeit das in den Fokus, was wir im aktuellen Moment tun und was wir dabei empfinden. Die Kunst besteht darin, das Vorhandene nicht – wie wir es sonst gewohnt sind – zu bewerten oder gar rational zu vernichten. Von dem, was wir wahrnehmen, nehmen wir nichts weg und fügen auch nichts hinzu. Dieser Zustand entspricht unserem wirklichen gegenwärtigen Denken, Fühlen und Handeln unter Einbeziehung unserer Sinneseindrücke und dem körperlichen Empfinden. Körper, Geist und Atem sind in Einklang.
Aus dieser Haltung des konsequenten Loslassens lässt sich Kraft und Weisheit schöpfen – für den Moment und die vor uns liegenden Schritte. Und es lässt sich Frieden schließen mit dem, was hinter uns liegt. Achtsamkeit steigert unser Selbstbewusstsein, indem wir nicht nur die Umwelt, sondern auch uns selbst, die eigenen Motive, Gedanken und Gefühle besser kennenlernen. Unser Leben und Alltag gewinnt an Kraft, Klarheit, Ruhe, Effizienz, Gesundheit und Zufriedenheit.
Eine Haltung der Achtsamkeit entspricht dem höchsten Maß an Selbstachtung. Indem wir uns frei machen von Urteilen und Bewertungen, gelingt es uns, uns so anzunehmen, wie wir sind. Achtsamkeit führt das Selbst ins Reine. Ermöglicht Frieden mit uns selbst. Gleichzeitig darf sie uns jedoch nicht auf uns selbst reduzieren. Sie ermutigt, mit unserem Umfeld in derselben Haltung in Beziehung zu treten, wie wir es mit uns selbst tun.

Frühchristliche Spiritualität – meine Quelle achtsamer Lebenshaltung.

Auch wenn der Achtsamkeitstrend von seinem Ursprung her stark buddhistisch geprägt ist, ist meine Quelle in der frühchristlichen Meditationspraxis zuhause. Auf meinem bisherigen Weg gibt es mehrere Meilensteine, welche meine Sehnsucht und Leidenschaft für diese Form der Achtsamkeit wesentlich geprägt haben:
  • eine Pilgerreise in Irland auf den Spuren der iroschottischen Mönche
  • spirituelle Begegnungen bei der französischen Communität Taizé und in Israel
  • mehrere Schweigeexerzitien in Klöstern
  • Zeiten spiritueller Naturerfahrungen inmitten schwerer Wüstenzeiten und während eines Burnouts
  • meine Ausbildung zum Geistlichen Begleiter und Meditationsleiter bei der Evangelischen Communität Selbitz
Achtsamkeit im christlichen Sinne ist eine Tradition, die in ihrer reinsten und aufrichtigsten Form von den frühen Christen – den sogenannten „Wüstenvätern und -müttern“ – bis hin zur Gründung der ersten Klöster in der frühchristlichen Zeit gelebt wurde. Bevor die schrittweise Vereinnahmung durch die institutionelle Kirche begann. Im Kontext dieser Wurzeln wird Achtsamkeit für mich lebendig. Vollendete achtsame Haltung erfahre ich etwa beim kontemplativen Gebet der liebenden Aufmerksamkeit, welches vom Jesuitengründer Ignatius von Loyola ins Leben gerufen wurde. Was mir Spiritualität persönlich und für meinen Arbeitsauftrag bedeutet, beschreibe ich in meinem Blogbeitrag „Identität trifft Spiritualität: Reise zum Wesentlichen“.
Die Bibel inspiriert mich an verschiedenen Stellen zu einem achtsamen Lebensstil. Hier zwei beispielhafte Zitate:
„Wenn ich mich zu Bette lege, so denke ich an dich, wenn ich wach liege, sinne ich über dich nach.“ (Psalm 63,7)
„Jesus zog sich an einen einsamen Ort zurück, um zu beten.“ (Lk 5,16)
Der Begriff „Meditation“ lässt sich vom lateinischen „meditatio“ (das Nachdenken über) bzw. „medio“ (die Mitte) ableiten und steht für Konzentration, Rückzug, innere Einkehr und spirituelle Versenkung, die den Raum der Achtsamkeit öffnet. Meine persönliche Mitte ist die christliche Spiritualität. Die Achtsamkeitsübungen, die ich in meine Arbeit einfließen lasse, sind als solche jedoch weltanschauungsneutral und unabhängig von jeglicher Form der Spiritualität praktizierbar. Welche Mitte Sie für sich fokussieren, überlasse ich daher selbstverständlich Ihnen.

Eine achtsame Haltung gewinnt man nicht einfach so über Nacht.

Achtsamkeit lässt sich nicht auf Knopfdruck erzwingen. Und sie ist alles andere als banal. Unsere gesellschaftlichen und systemischen Anforderungen und Prägungen haben uns desensibilisiert für das, was wirklich gegenwärtig, wahr und wichtig ist. Viele Anteile unserer Identität sind in den unbewussten Bereich unseres Gehirns abgerutscht. Achtsamkeit – und mit ihr auch die Weisheit individuellen Lebens – lässt sich nur über einen bewussten und konsequenten Übungsweg zurückgewinnen. Zu Beginn wird unser Geist immer wieder in die Zukunft oder Vergangenheit abdriften. Wir werden uns immer wieder dabei ertappen, wie wir in alte Bewertungsmuster zurückfallen. Innehalten, Stille oder ruhiges Sitzen können anfangs körperliche Schmerzen hervorrufen. Wir sind eine derartige innere Fokussierung und Anstrengung nicht gewohnt. All die schmerzhaften Symptome sind wie Wehen vor einer neuen Geburt. Mit zunehmender Routine und Zeit wird unser Gehirn neue Gewohnheiten nachhaltig mit vorhandenen Potenzialen in uns verknüpfen. Die gute Botschaft lautet: Es funktioniert, weil Achtsamkeit ins uns angelegt ist – als Sehnsucht, um das wirkliche Leben in uns zu spüren und als Ressource, um einfach zu überleben und nicht krank zu werden.

Früchte einer achtsamen Lebensführung

Achtsamkeit stärkt die Selbstwahrnehmung, -reflektion und mentale Verfassung. Vor allem in Stress-, Belastungs-, Krisen-, Veränderungs- oder Entscheidungssituationen können mit einer achtsamen Haltung Probleme realistischer eingeschätzt, Stressoren abgebaut und Lösungen konstruktiver angepeilt werden.
Regelmäßige Achtsamkeitsübungen helfen bei der Fokussierung auf die eigenen Werte und Ziele und deren Realisierung im Alltag.
Eine achtsame Lebenshaltung stärkt diejenigen Strukturen in unserem Gehirn, die für kognitive, emotionale und kreative Prozesse verantwortlich sind. Innere Gelassenheit, Ausgeglichenheit und Wachheit sind fruchtbare Resultate davon.
Achtsamkeit steigert die Konzentrationsfähigkeit – eine wichtige Basis für gutes Entscheiden und Handeln. Darüber hinaus werden wir, wenn wir etwas bewusst tun, effizienter und reduzieren das Fehlerpotenzial.
Achtsamkeitsübungen helfen uns dabei, unser destruktives Gedanken- und Sorgenkarussell zu verlassen. Wir dürfen eine Haltung annehmen, die von Dankbarkeit, Freude und positivem Denken geprägt ist.
Eine australische Studie von Belinda Ivanovski und Gin Malhi belegt, dass Achtsamkeitstraining zwischenmenschliche Qualitäten wie Empathie, Feingefühl und Offenheit fördert. Insgesamt kann – etwa innerhalb von Teams – die Kommunikationsqualität und damit das gemeinsame Resultat gesteigert werden.
Achtsamkeit führt uns aus dem hektischen Hamsterrad unseres Alltags und der Taktung dieser Welt. Wir machen die Erfahrung, dass Geduld – mit uns selbst und mit anderen Menschen – den Wert der Zeit und des Lebens in sich trägt. Zudem halten wir einen drohenden Burnout auf Abstand und können mögliche Depressionen lindern.
Eine achtsame Haltung stärkt unser Immunsystem. Sie stabilisiert unser psychisches Befinden – wie Forscher der Universität Gießen festgestellt haben. Wir nehmen das an, was ist. Alles andere lernen wir loszulassen und einer konstruktiven Zukunft zu überlassen. Indem wir uns ganzheitlich als Leib, Geist und Seele achten, sind wir auch für unsere physische Gesundheit sensibilisiert.
Achtsamkeit lädt uns ein, das Leben auch zu feiern und die schönen Momente noch bewusster auszukosten und zu genießen. Indem wir uns regelmäßig und ganzheitlich dem Schönen hingeben, steigern wir unsere Lebensqualität und tanken Energie für die Herausforderungen der Zukunft.

Damit Achtsamkeit Früchte trägt, braucht es einen klaren Rahmen.

  • Definieren Sie einen oder mehrere ruhige Orte des Wohlfühlens in oder außerhalb des Hauses.
  • Bestimmen Sie ritualisierte „heilige“ Zeitpunkte, die oberste Priorität genießen und eine angemessene Zeitlänge für diese Zeiten.
  • Entdecken und etablieren Sie die Methoden und Übungen, die individuell zu Ihnen passen.

Zwei beispielhafte Achtsamkeitsübungen für Ihren persönlichen und beruflichen Alltag:

Diese sind besonders geeignet, um in stressigen Situationen oder im Vorfeld von herausfordernden Terminen bei sich selbst anzukommen.

Einfache Atemübung

Ein guter Einstieg ist die Wahrnehmung meines Atems. Dabei nehme ich eine bequeme, aufrechte Sitzhaltung ein und schließe die Augen. Beim Einatmen erfüllt mich die Kraft der Gegenwart. Mit dem Ausatmen lasse ich alle Spannungen, Gedanken und Gefühle ziehen, die der Vergangenheit oder der Zukunft gehören. Während mein Atem ruht, bin ich ganz im HIER, JETZT und SO. Ich spüre Weite und Leichtigkeit. Ich wähle einen ruhigen, natürlichen Atemrhythmus und verweile ein paar Minuten in dieser Übung. Driftet mein Geist ab, hole ich ihn behutsam wieder in die Wahrnehmung meines Atems zurück.

Gehmeditative Sinnesübung

Ich begebe mich in die Natur. Im ruhigen und gleichmäßigen Rhythmus begebe ich mich auf den Weg. Ich spüre meinen Körper, meinen Atem. Nach und nach erfasse ich mit meinen Sinnen das, was mir auf meinem Weg gegenwärtig ist. Dabei halte ich immer wieder inne. Erst nehme ich wahr, was in mein Sichtfeld kommt. Nicht nur das Offensichtliche, sondern auch die Details, die ich sonst nicht sehe. Dann aktiviere ich meine Ohren. Welche Geräusche nehme ich wahr – ob laut oder unscheinbar leise. Ich ertaste die Natur, indem ich Bäume, Pflanzen oder Steine berühre. Und indem ich wahrnehme, wie meine Füße auf dem Boden Halt finden. Wenn ich möchte, kann ich barfuß unterschiedliche Untergründe erspüren – den Waldboden, die Wiese, einen liegenden Baumstamm oder ein Kiesbett. Ich nehme die verschiedenen Gerüche war. Das Harz an den Bäumen oder den lieblichen Duft einer Blüte. Ich koste die Natur, indem ich Früchte oder Kräuter am Wegesrand schmecke und die Aromen bewusst wahrnehme. Diese Erfahrungen in der Natur machen mich ruhig und demütig. Sie erfüllen mich mit Dankbarkeit und Gelassenheit.
Je mehr uns diese Übungen gelingen, umso mehr können wir sie in unsere alltäglichen Situationen integrieren. Auch im Büroalltag oder in der Produktion können sie uns zu kleinen, sinnesbewussten Auszeiten ermuntern. Indem Sie sich immer mal wieder den Moment der Gegenwart gönnen, werden Sie mit neuem Bewusstsein ruhig, klar und entspannt die vor Ihnen liegenden Schritte gehen. Oder Sie werden etwas bisher Geplantes loslassen, um etwas Neues, Sinnvolleres anzugehen.

Als empathischer Meditationsleiter, Berater und Coach begleite ich Sie gern auf Ihrem persönlichen Weg zu mehr Achtsamkeit. Kommen Sie auf mich zu!

Im Rahmen des Identitätscoachings oder eines Identitätswalks im Werdenfelser Land, aber auch im Rahmen meiner Beratungsleistungen für Unternehmen und Organisationen verbinde ich Identitätsarbeit mit den Potenzialen der Achtsamkeit.
Titelfoto: @lilianasedcard (Instagram), fotografiert von Daniel Börnert; weitere Fotos: Daniel Börnert sowie DarkmoonArt_de, Gerd Altmann (pixaby.com)